Etui zum Aufklappen – ein Upcycling

Wir hatten Stuhlkissen in der Küche, die so langsam in die Jahre gekommen waren. An den Kanten abgewetzt, fleckig und auch sonst nicht mehr so schön anzusehen. Meistens fällt einem so etwas erst auf, wenn man im Laden steht und neue, schönere sieht, die dann im Warenkorb landen. Das war auch in diesem Fall so, wo uns beim großen Schweden die Gitterboxen mit neuen Stuhlkissen praktisch in den Weg gestellt wurden. Es ist immer wieder faszinierend, wie man dort seine Vorsätze, nur ein paar Kleinigkeiten kaufen zu wollen, jedes Mal über Bord schmeißt, weil es immer wieder Dinge gibt, die einem zu gut gefallen. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber unter 100 EUR habe ich es noch NIE geschafft da raus zu gehen. Nur ein paar Kerzen und Servietten arten immer zu einer Kofferraumfüllung aus. So viel dazu, aber jetzt zurück zu den alten Kissen. Sie wurden ersetzt und ich alter Messie konnte mich von den verranzten Dingern trotz der Schäbigkeit nicht trennen.

Rot gepunktet und dann noch so ein etwas festerer Stoff, da muss sich doch etwas daraus machen lassen. Also schnitt ich die Kissen auf, entfernte den Schaumstoff und steckte die Teile in die Waschmaschine. So trennte sich die Spreu vom Weizen. Es gab Teile, die blieben fleckig, aber meistens war die Rückseite der Kissen noch ganz gut und es ist doch nachhaltig, wenigstens Teile davon wieder zu verwerten als alles wegzuschmeißen.

Eigentlich wollte ich die üblichen Täschchen daraus nähen, aber da ich auch gern etwas Neues ausprobiere, entschied ich mich für ein aufklappbares Etui. Ich hatte aus meiner Erfahrung her eine Idee im Kopf und habe mal einen zusammenfaltbaren Beutel genäht, wo ein ähnliches Prinzip angewendet wurde. Also los: Ich habe folgende Teile zugeschnitten und Materialien verwendet:

1 x Außenstoff (rot gepunket) 30 x 30 cm
1 x Vlieseline H630 30 x 30 cm
1 x Innenstoff 30 x 30 cm
2 x Innentaschen 10 x 30 cm
1 x Außenstoff für das Ende des Reißverschlusses 8 x 6 cm
1 x Snappap 3,2 x 1,8 cm + Herzchenstanzer
1 Hälfte eines Endlosreißverschlusses, ca. 1,30 m (Umfang des Quadrates + 8 cm)

Auf den Außenstoff habe ich die Vlieseline gebügelt und das Herzchen-Label an passender Stelle angenäht. Die beiden Innentaschen habe ich je an einer langen Kante ca. 1 cm umgelegt, gebügelt und einen Saum genäht. Dann habe ich mir genau in der Mitte (15 cm) mit Schneiderkreide eine Linie gezogen (sieht man nicht so gut). Auf jeder Seite der Mittellinie habe ich im Abstand von 2 cm noch eine Linie gezogen. An diese Linie habe die Seitentaschen angelegt und mit Füßchenbreite angenäht. Ihr müsst das so anlegen, dass eure Seitentaschen danach nach oben umgeklappt werden können. Danach habe ich senkrecht bei einer Seite 2 senkrechte Nähte als Abtrennung genäht. Auf der anderen Seite habe ich nur eine Unterteilung gemacht. Beim fertigen Täschchen seht ihr das gut.
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Damit sich der Reißverschluss gut einnähen lässt, habe ich die Ecken abgerundet. Hier diente ein Deckel mit 10 cm Durchmesser als Schablone. Jetzt kommt der fricklichste Teil, der Reißverschluss musste eingenäht werden. Ich stecke ja so etwas nie vorher zusammen und lasse es einfach durch die Maschine surren. Das ist aber auch der Tatsache geschuldet, dass ich gelernte Täschnerin bin. Habe ich euch das eigentlich schon mal verraten? Also du kannst natürlich den Reißverschluss vorher gut feststecken, wenn es für dich dann so leichter ist. Beim Einnähen habe ich ca. 4 cm nach der Mitte angefangen, einmal rumgenäht und ca. 4 cm vor der Mitte wieder aufgehört. Bitte denke daran, dass die Zähnchen des Reißverschlusses nach unten zeigen müssen. Ich muss natürlich dazu sagen, dass du mit dem Oberstoff anfängst. Verwirrend? Dann hier zwei Bilder dazu:

Anschließend habe ich die Innentasche wie einen Deckel mit der guten Seite nach unten darauf gesetzt  und habe ihn auch so angenäht. Bitte daran denken, dass sich die Mitte zwischen den Taschen bei dem Reißverschlussenden befindet. Auch hier bleiben ca. 4 cm auf jeder Seite frei. Das ist dann die Wendeöffnung, durch die wir die Tasche nach außen krempeln.

So jetzt war nicht mehr so viel Arbeit übrig. Zipper aufgezogen und die Wendeöffnung mit einer kleinen Naht geschlossen. Dann blieb nur noch das Reißverschlussende mit Stoff zu umhüllen. Dafür habe ich die 8 cm Breite auf jeder Seite 2 cm nach innen gebügelt, so dass 4 cm Breite übrig blieben. Mit einem Kreuz schön festgenäht und dann konnte es auch schon an das Einrichten des Täschchens gehen.
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Ich finde es ja perfekt als kleines Arzneitäschchen. Paar Sachen passen da rein, gerade, wenn man nicht so lange unterwegs ist oder sich für eine Radtour mit Pflaster und Co. ausstatten will. Ich brauch eh nie viel an Medikamenten, also reicht mir das Täschen auch für einen längeren Urlaub. Wenn man nicht gerade an den Amazonas fährt oder mit der transsibirischen Eisenbahn unterwegs ist, gibt es sowieso an jeder Ecke eine Apotheke. Also gilt: Reisegepäck klein halten. Kopfschmerzen habe ich sowieso nicht im Urlaub :-).
Arzneitasche-Etui-Upcycling17Durch die Vlieseline ist das Täschchen auch gut gepolstert und etwaigen Fläschchen passiert nichts.

Durch die sanften Kurven lässt sich das Etui auch gut schließen. Ich habe übrigens einen 8 mm breiten Reißverschluss verwendet. Der ist schön robust und auch sehr leichtgängig.
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Das wird nicht das letzte Etui gewesen sein, Ich finde, hier hat man unendlich viele Möglichkeiten an Größen und auch an Inneneinrichtung. Man kann Gummiband in Schlaufen einnähen, zusätzliche Reißverschlusstaschen, Blasebalgtaschen, Fächer wie im Portemonnaie. Ich kann mir so ein Etui auch super für meine Häkelnadeln vorstellen oder für ein Reisenähset. Die Größe lässt sich wirklich leicht im Vorfeld bestimmen und innen kann man es komplett seinen Bedürfnissen anpassen. Ich bin auf jeden Fall von der Idee begeistert und mag es ganz besonders, dass meine Sitzkissen aus der Küche ein 2. Leben bekommen haben. Der feste Stoff ist auf jeden Fall super für so ein Etui. Daher würde ich auf jeden Fall Stoffe wie Canvas, Jeans, Kunstleder oder Leder empfehlen.

Seid gespannt, wie mein nächstes Etui aussehen wird, noch ist Stoff übrig.

Verlinkt mit #sonntagsglück und öko?-logisch!

undiversell

Ich freue mich, dass du mich gefunden hast! Schau dich gern um. Ich zeige dir auf meinem Blog Handgemachtes, Hausgemachtes und Meer. Wenn du dich für Häkeln, Stricken, Nähen, Basteln, Nachhaltigkeit und Reisen interessierst, bist du hier genau richtig. Suchst du unkomplizierte Rezepte zu frischer, saisonaler Küche und leckere Kuchen, lass dich inspirieren. Bist du Fan von vegetarischer und veganer Küche? Hier wirst du fündig. Nachmachen ist ausdrücklich erwünscht. Viel Spaß und schöne Momente auf meiner Seite wünscht dir Undine von "undiversell"!

9 Antworten auf „Etui zum Aufklappen – ein Upcycling

  1. Das ist ein wirklich süßes Täschchen! Und das es Täschnerin als Beruf gibt, wusste ich noch gar nicht! Das klingt gut;)
    Danke für die Anleitung, das ist in jedem Fall inspirierend!
    Einen schönen Abend noch!
    Iggy

    Gefällt 1 Person

  2. Hach, du wieder! Einfach großartig.

    Ich kenne das Gefühl gut – kaum wird etwas Neues gekauft, überlege ich, dass es doch so schade ist, das alte Zeugs wegzuwerfen. Irgendwas wird doch noch damit zu machen sein… Die Idee, aus den Stoffen ein Etui zu nähen, gefällt mir sehr gut. Und rot-weiß-gepunktet dazu gibt von mir 10 von 10 möglichen Punkten. I ♥ it.

    Von Herzen liebe Grüße

    Anni

    Gefällt 1 Person

  3. Sooo schön. Das Etui ist dir sehr gut gelungen und sieht wirklich klasse aus. Wie gut, dass du dich an’s Upcycling gemacht hast. Das Phänomen mit dem blaugelben Möbelhaus kenne ich auch ;-).
    Liebe Grüße aus dem hohen Norden
    Lydia und

    Gefällt 1 Person

  4. liebe Undine,
    wie cool ist das denn? du bist mit deinem mega genialen Upcycling gerade mein #LiebLINK der Woche auf Facebook geworden. Danke dass du dein Projekt beim Netzwerkprojekt #sonntagsglück verlinkt hast … das will man ja sofort nachmachen. Einen guten Start ins Jahr 2020 wünsche ich dir!
    herzlichst Katrin / soulsister meets friends

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