Potsdam im Herbst

Die Oktoberferien verbrachten wir dieses Jahr in der brandenburgischen Hauptstadt Potsdam. Pläne wie ein Trip nach Dubrovnik wurden durch Corona durchkreuzt, aber so hat man in diesen komischen Zeiten die Gelegenheit sich Deutschland etwas genauer anzuschauen. Kaum zu glauben, aber ich war noch nie in Potsdam, obwohl es nur 2 ½ Autostunden von unserem Heimatort entfernt ist. Also eine Ferienwohnung gebucht und auf in die Stadt der Schlösser und Parks. In der ehemaligen Residenzstadt der Könige von Preußen sind davon so einige zu finden.

Am Ankunftstag erkundeten wir zuerst das Stadtzentrum. Wir liefen bis zum Nauener Tor, das aus dem Jahr 1755 stammt und auf direkte Anordnung Friedrich des II entstand. Der Platz vor dem Nauener Tor lud mit attraktiven Cafés und Restaurants zum Verweilen ein. Leider war es den Nachmittag wettertechnisch nicht so prickelnd. Wir konnten uns aber gut vorstellen wie man an einem lauen Sommerabend dort sieht und gesehen wird. Wir spazierten weiter bis zum Brandenburger Tor. Nicht zu verwechseln mit dem Berliner Wahrzeichen wurde das Potsdamer Tor 1770 errichtet. Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges wurde es als Zeichen des Sieges errichtet. In der Fußgängerzone, die zum Brandenburger Tor führte gab es schnuckelige kleine Läden und der Abendhimmel belohnte uns nach dem Regen mit dramatischen Aussichten.

Unsere Ferienwohnung lag im Weberviertel. Wir hatten wieder über AirBNB gebucht und hatten wieder einmal einen kleinen Glücksgriff damit. Die Altbauwohnung mit Garten war liebevoll saniert und bot für uns Vier genügend Platz. Die Einrichtung bot alles, was man für einen Aufenthalt braucht und bei Steffi, der Gastgeberin, die mit ihrer Familie über uns wohnte, hätte man jederzeit klingeln können, wenn etwas benötigt wird. Wir bekamen einen ganzen Sack voll Tipps und schafften gar nicht all die Café- und Restauranttipps abzuarbeiten. Leider habe ich es verpeilt ein paar Bilder zu machen, aber auf der Website bekommt ihr einen guten Eindruck.

Das Weberviertel Nowawes liegt in Babelsberg und wurde von Friedrich dem Großen für böhmische Protestanten errichtet. Interessant, dass der König die Anweisung gab, Nussbäume zu pflanzen. Das Holz sollte für Gewehre genutzt werden. Ab 1780 pflanzte die Forstverwaltung Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht. Die Häuser im Weberviertel sind niedrig und haben typische Fensterläden. Viele Cafés, Restaurants und kleine Läden haben sich dort angesiedelt. Ich bin morgens immer zum Biobäcker gegangen und habe Brötchen gekauft. Das ist immer mein Job im Urlaub (zu Hause auch) und ich mache ihn sehr gern.

Als naturkundlich interessierte Besucher der Stadt waren wir natürlich auch in der Biosphäre Potsdam. In diesem Tropenhaus gab es mehr als 20.000 tropische Pflanzen und ca. 140 verschiedene Tierarten. Eindrucksvoll war das kleine Schmetterlingshaus, wo diese Schönheiten aus nächster Nähe bestaunt werden konnten. Die Tierpflegerin war sehr freundlich und zeigte uns Larven und Puppen unter dem Blättern, die man sonst kaum entdeckt hätte.

Die Unterwasserwelt im U-Boot war sehr lebensecht dargestellt. Mal etwas anderes als die klassischen Aquarien.

In der hauseigenen Cafeteria aßen wir frischen, selbstgemachten Flammkuchen und tranken einen Kaffee. Den hatte ich angesichts der warmen schwülen Luft dringend nötig. Ich musste mir schon von meinen Teenagern anhören, dass ich nicht jammern soll. Nach dem Motto: Früher haben wir gejault, jetzt jault die Mutter. Ja, die darf auch mal maulig sein, wenn der Kreislauf im Keller ist.

Nach der Biosphäre erklommen wir den Pfingsberg um Schloss Belvedere zu erklimmen. Friedrich Wilhelm IV ließ sich von seinen Reisen nach Italien inspirieren und ließ auf der schon beliebten Aussichtsplattform dieses eindrucksvolle Schloss errichten. Der Bau dauerte nur 5 Jahre und entstand in der unruhigen Zeit um 1848. Er wurde unterbrochen und erst 1861 wird das Schloss vom Bruder Wilhelm I notdürftig fertiggestellt und für Teestunden genutzt. Auch wenn der Bau nicht wirklich fertig gestellt wurde, beeindruckt er mit seiner Architektur in Sandstein und lässt einen für einen Augenblick nach Italien versetzen.

Nicht weit davon entfernt war die Russische Kolonie Alexandrowa. Sie wurde 1826 bis 1827 zum Gedenken an Zar Alexander I von seinem Freund Friedrich Wilhelm III angelegt. Die Häuser im russischen Stil waren Heimat von russischen Sängern, die nach der Rückkehr aus dem Krieg als Geschnek des Zaren am russichen Hof verweilten. Es gab auch ein Museum und ein russisches Restaurant. Sah sehr gemütlich aus. Die Alexander Newski-Gedächtskirche gehört zum russischen Viertel und st das älteste russisch-orthodoxe Kirchengebäude in Westeuropa.

Schloss Cecilienhof war für mich Pflichtprogram, fand hier doch nach dem 2. Weltkrieg die Potsdamer Konferenz statt, wo die Allierten über das Schicksal von Deutschland entschieden. Architektonisch war ich über die Schönheit und die Weitläufigkeit des Anwesens im englischen Landhausstil überrascht. Wir spazierten um das Gebäudeensemble und durch den Park bis hin zum Jungfernsee. Herrlich im herbstlichen Sonnenschein.

Wir liefen von da aus zur Glienicker Brücke. Sie markiert die Grenze zwischen Berlin und Potsdam. Hier tauschten die USA und die Sowjetunion während der Zeit des Kalten Krieges Spione aus. Glücklicherweise sind diese Zeiten vorbei. Wir achteten peinlichst darauf, nicht das Corona-Risikogebiet Berlin zu betreten und fuhren im Dämmerlicht wieder in unsere Ferienunterkunft. Übrigens haben wir wie auch sonst unser Auto stehen lassen und haben die brandenburgische Hauptstadt mit der Straßenbahn erkundet. Eine Tageskarte für uns vier kostete 11 EUR und war perfekt für unsere Sightseeingtour.

Was wäre ein Besuch in Potsdam ohne das Schloss Sanssouci. Wusstest du das „sans souci“ ohne Sorge heißt? Dieses wohl bekannteste Hohenzollernschloss ließ der preußische König Friedrich II in den Jahren 1745 bis 1747 als kleines Sommerschloss im Stil des Rokokos errichten. Beeindruckend allein die Anlage der Weinbergterrassen. Der Wein und die Feigenbäume werden hinter Glastüren vor Frost geschützt und können so wie im Mittelmeerraum reifen.

Wir liefen durch die 300 ha große Parkanlage, die als barocker Ziergarten angelegt ist.  Die Ost-West-Ausdehnung ist über 2 km lang. Hier brauchten wir schon etwas Zeit und unser Schrittzähler rotierte ordentlich. An der Westseite des Parks gelangten wir zum Neuen Palais, ein weiterer barocker Prachtbau preußischer Könige. Friedrich, der Große hatte es als Schloss für Gäste seines Hofes geplant. Was für eine Verschwendung. Immerhin nutzte Kaiser Wilhelm II. das Neue Palais von 1888 bis 1918 zu seinem Hauptwohnsitz.

Inmitten der Potsdamer Altstadt geprägt durch barocke und klassizistische Bauten befand sich das Holländische Viertel mit seinen roten Backstein- und Giebelhäusern. Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I baute das Viertel für holländische Arbeiter. Hier fühlte man wirklich wie in Amsterdam und man wunderte sich fast, dass hier deutsch anstatt holländisch gesprochen wurde. In den rund 150 typischen Häuser verteilt über vier Karrees fanden wir kleine süße Läden mit Kunsthandwerk und viele Cafés.

In das „Goam“, berühmt für seinen Käsekuchen, kehrten wir auf ein Stückchen ein. Hier gab es ca. 10 verschiedene Sorten von den leckeren Torten. Egal ob klassisch, mit Creme Brulée oder Früchten obendrauf, sie sahen alle köstlich aus und ersetzten gut und gern eine Mittagsmahlzeit. Ich war nach meiner Bienenstichvariante pappensatt und war bereit für einen Verdauerli. Die Kellnerin schaute mich etwas verwirrt an, weil ich zugegebenermaßen mitten am Tage nach einem hochprozentigen Kurzen verlangte. Ne, Eierlikör war definitiv das Falsche. Sie zauberte dann doch noch eine verstaubte Flasche Kräuterlikör aus ihrem Lager.

Ein Glück, denn die Völlerei nahm an diesem Tag noch kein Ende. Verreise du mal mit 2 Teenagern, die brauchen alle 2 Stunden feste Nahrung. So zogen wir weiter zu einem Geheimtipp, dem Waikikki-Burger. Hier konnte man wirklich leckere Burger essen, auch gab es Pommes-Varianten mit Thymian und Parmesan. Für Craft Beer Fans gab es auch hawaianisches.

Vorher besuchten wir noch die die St. Nikolaikirche am Alten Markt, die mich ein bisschen an die St. Pauls Cathedral in London erinnerte. Die Kuppel war weithin sichtbar und die Kirche ist eines der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Potsdam. Wie auch bei anderen Kirchen gab es bei der St. Nikolaikirche ein Auf und Ab verbunden mit Aufbau und Zerstörung. Bereits Anfang des 18. Jahrhunderts stand hier eine dem Heiligen Nikolaus geweihte Kirchen, die 1798 bei Reparaturarbeiten vollständig abbrannte. Ab 1837 wurde sie wiederaufgebaut und wurde leider in den letzten Tagen des 2. Weltkrieg zerstört. Anfang der 1980er Jahre wurde sie nach altem Vorbild wiederaufgebaut. Anziehungspunkt ist die Aussichtsplattform, von der man einen herrlichen Blick über die Stadt hatte. Der Rest der Familie hatte nicht so Lust auf enge Wendeltreppen und Aufstieg mit Maske. Ich schon und Stufe für Stufe kam ich der 42 m hohen Aussicht entgegen. Hat sich doch gelohnt, oder?

Unser letztes Ausflugsziel war das Schloss Babelsberg, dass fußläufig von unserer Ferienwohnung entfernt war. Ein echtes Kleinod und wärmstens zu empfehlen für Potsdam-Fans. Es war Sommersitz für den Prinzen Wilhelm, den späteren Kaiser Wilhelm I. und gehört wie das Gesamtensemble der Potsdamer Schlösser zum Weltkulturerbe. Es war eines der Highlights und ich hätte nie in Babelsberg so ein schönes Schloss mit einer wunderschön gepflegten Parkanlage erwartet und dass wo wir schon das eine oder andere Schloss in Potsdam gesehen haben.

Wir genossen das milde stille Herbstwetter und stolperten von hinten in den Garten eines idyllisch gelegenen Cafés. Kaffee? Ja, warum nicht. Das ist doch das Schöne am Urlaub. Sich treiben lassen und einen ultrasüßen Karamell-Macchiato schlürfen und den Augentblick genießen.

Na, wie gefällt euch die brandenburgische Landeshauptstadt? Könntet ihr euch einen Besuch dort vorstellen oder wart ihr vielleicht schon dort? Erzählt mir gern von euren Erfahrungen dort.

Verlinkt mit der Urlaubslinkparty vom Nähfrosch

undiversell

Ich freue mich, dass du mich gefunden hast! Schau dich gern um. Ich zeige dir auf meinem Blog Handgemachtes, Hausgemachtes und Meer. Wenn du dich für Häkeln, Stricken, Nähen, Basteln, Nachhaltigkeit und Reisen interessierst, bist du hier genau richtig. Suchst du unkomplizierte Rezepte zu frischer, saisonaler Küche und leckere Kuchen, lass dich inspirieren. Bist du Fan von vegetarischer und veganer Küche? Hier wirst du fündig. Nachmachen ist ausdrücklich erwünscht. Viel Spaß und schöne Momente auf meiner Seite wünscht dir Undine von "undiversell"!

15 Antworten auf „Potsdam im Herbst

  1. Sehr schick. Doch, Potsdam ist von verschiedenen Besuchen (teilweise Vergnügen, teilweise Arbeit und teilweise beides) bekannt. Aber tatsächlich sollte man mit dem Abkömmlingen dort mal dringend ein paar Tage hin. (So fuhren wir zu Beginn der M-V Ferienwoche nur einen Berliner-Ringstau umgehend durch die Stadt: Aus dem Weg nach Leipzig und Umgebung. Denn -dort- waren -wir- vorher noch nie so richtig … ;o) )

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  2. Ohhhh, wie toll, liebe Undine. Ich fühle mich glatt zurückversetzt auf Anfang September, als wir in Potsdam weilten. Wie schön, dass dir meine Tipps gefielen und ihr das Café Guam und den Burgerladen Waikiki besucht habt. Wir haben beides auch sehr genossen. Soooo lecker und dein Verlangen nach einem Verdauerli kann ich gut verstehen. Ich war da auch pappsatt.
    Mein Mann und ich waren sehr begeistert von Potsdam und hatten mit unserer Ferienwohnung auf der Insel Hermannswerder auch einen Glücksgriff getan. Wir haben fest vor, wieder einmal nach Potsdam zu reisen und ich kann euch nur empfehlen, mit den Fahrrädern die wunderschöne Umgebung zu erkunden, falls ihr auch wieder einmal nach Brandenburg reisen solltet.
    Hach, ich würde am liebsten sofort wieder losziehen…
    Liebe Grüße
    Anni

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  3. Liebe Undine,

    mit Deinem schönen Bericht hast Du mich richtig auf den Geschmack gebracht – ich bin nämlich -wie Ulrike – leider auch noch nie in Potsdam gewesen.

    Vielen lieben Dank, dass Du mich mitgenommen hast. :)

    Herzlich, Martina

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    1. Gerne liebe Martina, es gibt wirklich so schöne Ecken, die man nicht kennt. Ich hatte gar keine Ahnung, dass Potsdam so eine attraktive Stadt ist. Sven war dort auf Klassenfahrt, daher die Idee, dorthin zu fahren. Bleibt schön gesund. LG Undine 🤗

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  4. Liebe Undine,
    sehr schön, da habt ihr ja ordentlich Strecke gemacht und das Wetter passte auch. Bist mit Sanssouci und Buga quasi bei uns durch den Vorgarten spaziert ;-)
    Und wir ich sehe, hat es mit dem Essen auch gut geklappt, so Teenager müssen ja versorgt werden, aber auch die Eltern brauchen im Urlaub was Schönes.
    Schön sind auch noch der Foerstergarten (evtl. ohne die Jugend), Olympiastützpunkt und das Stadion am Luftschiffhafen, die Dampfmaschine an der Havelbucht (Moschee), der Ruinenberg, die Pyramide im Neuen Garten, Museum Barbarini, Filmmuseum….. reicht sicher für einen weiteren Besuch.
    Liebe Grüße
    Ilka

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    1. Liebe Ilka, das sehe ich auch so, auch wenn wir schon im Filmpark waren. In das Barbarini wären wir gern gegangen, allerdings war es für Wochen ausverkauft. Das bedenken wir dann beim nächsten Mal. Lieben Dank für die vielen tollen Tipps. LG Undine

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  5. Wow eine bilderflut, und so schön. In Belvedere waren wir tatsächlich auch schonmal, aber der Rest von Potsdam ist ja auch mega sehenswert… Danke für die inspiration

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