Wer meinen Blog verfolgt, weiß: Wir verreisen jedes Jahr über Pfingsten mit einer größeren Freundetruppe an die Ostseeküste nach Meschendorf. Mit „wir“ meine ich meine Familie inklusive erwachsener Kinder plus Partner — und natürlich lassen es sich auch die Großeltern nicht nehmen, uns am Pfingstsonntag zu besuchen.
So passiert es schon mal, dass aus den Bewohnern von zehn Bungalows mit durchschnittlich drei Personen am Sonntag inklusive Tagesgästen plötzlich 43 Leute auf dem Zeltplatz werden. Das ist schon ordentlich Trubel. Zum Glück werden wir gut versorgt, und besonders die Elterngeneration sorgt zuverlässig dafür, dass wir am Sonntag nicht ohne Kuchen dastehen.
Die Kinder zwischen 20 und 30 — plus drei kleine Kindergarten- und Grundschulbutscher — vergnügen sich den ganzen Tag miteinander und mit der Campingplatz-Animation. Da wird sich schon am Freitag bei der Anreise das Programm geholt und gejohlt: „Crazy Bingo“ und „Tattoos“ sind ja wohl gesetzt!
Dazwischen wird Volleyball und Basketball gespielt, und am Abend werden die Spiele unterm Zelt hervorgeholt. Die jungen Leute haben eine eigene WhatsApp-Gruppe, und die Nintendos aus Kindertagen müssen auch immer mit. Mangelndes Netz hat dies zu einer liebgewonnenen Tradition gemacht, und es ist jedes Mal ein Fest, die Kiddies beim Mario-Kart-Spielen zu beobachten. Wie früher, sag ich da nur!
Tagsüber sitzen wir in einem Partyzelt, frühstücken dort, chillen, essen Mittag, denken über einen Mittagsschlaf im Bungalow nach und freuen uns aufs abendliche Grillen. Unser Zelt ist unsere Basis und ohne wäre unsere Gemeinschaft nur halb so schön. Letzes Jahr hatten wir ziemlich schlechtes Wetter, und unser altersschwaches Zelt hat Sturm und Regen nicht mehr überlegt und wurde deshalb endgültig ausgemustert. Natürlich nicht, ohne dass wir gleich Ersatz erworben haben. Clevererweise sind ein paar von den Männern über den Platz gegangen und haben aus geeigneten Zelten das richtige ausgesucht.
Stichwort: altes Zelt. Noch ein paar gut erhaltene Zeltbahnen. Was muss ich weiter sagen? „Undine, willst du da nicht noch etwas draus nähen?“ Klar will ich!
Dann zog wieder einige Zeit ins Land. Ich habe die Zeltplanen gewaschen und im Nähzimmer parat gelegt. Ich wollte etwas nähen, was wir auf dem Zeltplatz wirklich gebrauchen können — aber so recht fiel mir zunächst nichts ein.
Noch ein bisschen kreative Energie laufen lassen, und dann hatte ich es: Ich nähe einen Brötchenrucksack und passende Brotkörbchen dazu. Ein lieber Freund holt morgens immer für alle Brötchen, und da wäre so ein passendes Set doch genau das Richtige.
Beim Durchblättern meiner Schnittmuster fielen mir dann der Matchbeutel von lenipe.punkt und die Lagom Storage Bins von Sotak Patterns in die Hände. Beides schon Schnittmuster, die ich lange in meinen Ordnern hatte — aber alt muss ja nicht veraltet bedeuten. Im Gegenteil: Ich fand sie fantastisch, und sie waren genau das, was ich brauchte. Der Matchbeutel ist sogar ein Freebie, also ran ans Projekt.


Ich hatte ihn sogar schon einmal genäht und meinte mich zu erinnern, dass er etwas schmal war. Also schnitt ich den Durchmesser für den Boden 2 cm größer zu und die Seitenwände jeweils mit ca. 23 cm Breite. Da ich vorn noch eine Tasche fürs Portemonnaie haben wollte, schnitt ich auch diese zu.



In die Mitte kam noch ein Reißverschluss, dazu ein Label von @mehretikette und eins von lenipe.punkt — und zack, war die Tasche drauf. Für ein bisschen Seglerlook steppte ich die Tasche mit einem großzügigen Zickzackstich auf.



Die Hauptteile habe ich alle mit Vlieseline H630 verstärkt, damit das Ganze nicht so labberig wird. Dann habe ich nach Anleitung die Henkel angenäht, die Teile aneinandergefügt und mit dem Boden verbunden.
Kleine Randbemerkung: Nähe den Boden unten ein und nicht oben!
Gut, das hatten wir dann auch erledigt. Das Futter habe ich anschließend einfach aus zwei Teilen gefertigt: einem Boden und einer Seitenwand. Wer die Formel mit Umfang, Durchmesser und Pi beherrscht, kann praktisch jede Größe nähen.
Dann noch das Futter mit dem Außenrucksack verbunden, die Naht abgesteppt — und ich war schon fast fertig. Lediglich die Ösen musste ich noch einschlagen, aber das erwies sich als easypeasy.


Für die Brotkörbchen hatte ich das süßes Schnittmuster Lagom Storage Bins, bei dem ich den Zeltstoff mit blau-weiß gestreiftem Baumwollstoff kombinierte. Auch hier habe ich den Außenstoff mit Vlieseline H630 verstärkt.
Mit einem Label von Laleloup — „I was made for sunny days“ — und ein paar cremefarbenen Baumwollhenkeln war ich selbst ganz verzückt, was man aus altem Zeug noch so machen kann.
Ich nähte die Größen L und M und fand M am Ende die Größe M am besten. Ein bisschen verfranst habe ich mich auch beim Umrechnen von Inch in Zentimeter, aber auch das war nur ein Nebenkriegsschauplatz. Schnell waren die Körbchen fertig und bereit für ihren ersten Einsatz.


Damit zog ich also auf den Zeltplatz, und die Reaktionen meiner Freunde waren schon ein wenig überwältigend. Ich dachte mir schon, dass ich dafür ein Lob bekommen würde — aber die echte Freude darüber zu sehen, dass das alte Zelt, das uns über viele Jahre begleitet hat, wieder mit dabei ist, war einfach zu schön.
Schon allein deswegen hat es sich gelohnt, noch kurz vor Peng die Nähmaschine anzuschmeißen.
Die Körbchen sind jetzt ein wenig verteilt, und werden das Jahr über hoffentlich viel genutzt, aber sie werden ganz bestimmt im nächsten Jahr auf dem Zeltplatz wieder ihren Dienst antreten. So ein klein wenig habe ich die Vermutung, dass ich für meine Küche auch noch ein Körbchen brauche. Genug Material wäre noch vorhanden!
Wenn da nicht das Thema „Upcycling“ bei Antetannis Jahresbingo passt, dann weiß ich auch nicht! Also schnell angekreuzt und das 10. Kästchen in rosa eingefärbt. Beim DvD und beim Creativsalat schaue ich auch gleich noch vorbei.

Was könntet ihr euch aus cremefarbener Zeltbahn noch vorstellen? Ich nehme gern noch Ideen entgegen.

Richtig toll sind die Teile aus eurem alten Zelt geworden. Un d schön, dass euch euer altes Zelt nun weiterhin begleiten wird.
Gruß Marion,
die so gar nicht mit zelten anfangen kann.
LikeLike
Das ist ein super Recycling Projekt und der Matchsack ist prima, den habe ich auch schon genäht und die Tasche vorn drauf ist auch super durchdacht. Der wird bestimmt super viel genutzt und dann glänzen die Brötchen in den Körben. LG Ingrid
LikeLike
So ein tolles Upcycling-Projekt, ich bin schockverliebt.
Liebe Grüße
Anita
LikeLike