Die Rostocker Altstadt

Pfingsten haben wir uns aufgemacht die Rostocker Altstadt zu erkunden. Das hatte ich mir länger schon vorgenommen und so animierte ich die Familie zu einem Spaziergang durch die historischen Straßen unseres Heimatortes. Wenigstens ein positiver Effekt der Corona-Zeit. Man besinnt sich auf das Naheliegende und getreu Goethes Gedicht Erinnerung machten wir uns auf. Hier noch einmal die Zeilen, die sehr passend für diesen Ausflug waren:
Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen,
Denn das Glück ist immer da.

Wir starteten bei sonnigem, aber kaltem Wetter am Krahnstöver. Die ersten Gäste nach der Wiedereröffnung der Restaurants nach der Pandemie ließen es sich trotz zugigem Wind nicht nehmen, dort ein spätes Frühstück zu bestellen. Wir beschlossen, dass auch in Kürze zu machen. Es sieht dort immer so gemütlich und einladend aus. Im Sommer ist der Außenbereich immer sehr gut besucht und gerade für Frühstück und abends ist das Restaurant sehr beliebt.

Weiter ging es Richtung Nikolaikirche, vorbei am Tanzland Rostock, wo die Turnschuhe draußen baumelten. Hier haben die Kids schon tolle Gemeinschaft im Tanzstudio erfahren und auch ich geh dort gern hin. Ich freue mich schon, wenn ich wieder zu meiner wöchentlichen Yogastunde im Tanzland vorbeischauen kann. Wird echt Zeit!

Vor der Nikolaikirche hat der Altstadtverein eine Bücherzelle aufgestellt. Ein netter älterer Herr vom Verein erzählte uns vor Ort über die Pflege des Häuschens. Man muss da mehr Zeit investieren als man denkt. So mancher lädt da doch etwas unkontrolliert seine Bücherflut ab. Da muss doch des Öfteren aufgeräumt werden. Trotzdem schön so eine Bücherzelle gerade vor einer Kirche. Womit wir schon beim Thema sind. Die Nikolaikirche ist schon ab 1230 gebaut worden und ist eine der ältesten Hallenkirchen im ganzen Ostseeraum. Benannt ist sie nach dem Bischof Nikolaus von Myra. Das Besondere an der Kirche ist, dass sie 3 Wohnetagen enthält, die im Zuge einer Rekonstruktion in den 1970er Jahren erfolgte

Durch den Torbogen durch blickten wir noch einmal auf ein Wandbild des Bischofs Nikolaus von Myra blicken. Ein paar kleine Lädchen und dekorative Hauseingänge weiter zeigte sich die Altstadt von seiner schönsten Seite. Gässchen wie ich sie auch in Urlaubsregionen liebe, sind genau vor meiner Haustür.

Noch ein Blick auf die Nikolaikirche und wir sind zum Spielplatz Gerberbruch abgebogen. Auf diesem riesigen Gelände ist immer etwas los und im Cafe am Rande kann man als Eltern einen Kaffee in der Sonne trinken.

Oberhalb des Spielplatzes ist die Stadtmauer, die Rostock seit Mitte des 13. Jahrhunderts umschloss. Backstein gehört zur Hansestadt wie die Maisonne zu blauem Himmel, oder nicht?

Entlang der Mauer spazierten wir weiter zur Petrikirche. Die Gegend mag ich besonders gern. Die alten restaurierten Häuserfassaden begrüßten uns mit liebvoll gestalteten Hauseingängen und begrünten Gehwegen. Der alte Markt ist ein Rostocker Kleinod und von dort hat man einen guten Blick auf die Petrikirche.

Einmal um die Kirche herum spaziert und es blieb weiterhin so idyllisch.

Die Petrikirche wurde im 2. Weltkrieg stark zerstört und wurde danach umfassend renoviert. Anfang der 90er wurde die Turmspitze wiedererrichtet. Ich erinnere mich noch, dass ich eines Morgens auf dem Weg zur Arbeit Zeuge dieser Arbeiten wurde. Man brauchte wieder eine Weile bis man sich an den den fast 117 m hohen Turm gewöhnt hatte. Man kann ihn übrigens besteigen und hat von oben einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt. Wir haben das schon mehrmals gemacht, daher ging unser Weg dieses Mal an der Kirche vorbei.

Von der Stadtmauer und ihren eingelassenen Schießscharten kann man auf die Holzhalbinsel schauen. Dahinter ist gleich die Warnow und von da aus ist es nicht weit zum Stadthafen, eine beliebte Flaniermeile mit zahlreichen Restaurants. Aber lasst uns noch weiter den historischen Teil von Rostock entlang spazieren.

Ich mag solche Gässchen ja zu gerne und wenn es dann noch Sackpfeife heißt, muss es natürlich in den Beitrag. Um der Sackpfeife, in der der Reformator Joachim Slüter ab 1528 wohnte, ein ansprechenderes Aussehen zu geben, wurden die alten Stadttore von Rostock auf der Fassade verewigt.

Ich finde, hier konnte man den Geist des Mittelalters spüren, es war himmlisch ruhig hier und es fehlte nur noch, dass sich eine Tür knarrend öffnet und jemand sagt: „Tretet ein für einen gar köstlichen Trunk.“ oder so.

Genau für dieses Feeling kannst du in den Petrikeller gehen. Das ist ein mittelalterliches Restaurant, wo du mit den Händen essen kannst und von dem Personal in mittelalterlicher Sprache angesprochen wirst. Unter dem Motto „Zechen wie die Raubritter“ werden dir gar köstliche Gaumenfreud und ausgelassene Trinkgelage von Knechten und Mägden serviert.

Weiter gehts mit mittelalterlicher Geschichte. Rostock ist bekannt für seine Tore. Die 3 Kilometer lange Stadtmauer enthielt 20 Stadttore. Das älteste der noch bestehenden Tore ist das Kuhtor. Es ist auch eines der ältesten Gebäude Rostocks und das älteste erhaltene Stadttor Norddeutschlands. Es wurde in seiner Bedeutung als Stadttor bald von dem Steintor abgelöst und nur das Vieh wurde dadurch auf die Warnowwiesen getrieben, daher auch der Name.

Der Lagebuschturm ist der einzige noch erhaltene Turm der Rostocker Stadtbefestigung. Er hieß auch Fangelturm oder auch Eißturm, diente als Wehrturm und auch als Gefängnis. Noch ein paar Schritte an der Stadtmauer entlang gegangen und noch die Backsteingotik in der Maisonne genossen.

Das nächste Tor ist eines der wichtigsten Tore Rostocks. Es ist das Steintor, dass zur Stadtseite hin sehr dekorativ gestaltet ist, während die Landseite schlicht und wehrhaft daher kommt. Heute ist das Steintor ein wichtiger Knotenpunkt im öffentlichen Nahverkehr, weil sich hier mehrere Linien kreuzen.

Vom Steintor waren es nur ein paar Schritte bis zum neuen Markt. Ist er nicht prächtig anzuschauen mit seinen dekorativen Häuserfassaden vor blauem Himmel. Hier findet 2-3 Mal in der Woche ein Frischemarkt statt und ist beliebter Treffpunkt. Hier startet die Einkaufsmeile von Rostock, die Kröpeliner Straße.

Aber zurück zu den historischen Gebäuden von Rostock. Die dritte Kirche im Bunde nach Nikolai- und Petrikirche ist die Marienkirche. Sie ist die evangelisch-lutherische Hauptkirche in Rostock und ein echtes Schmuckstück der norddeutschen Backsteingotik. Bekannt ist sie für ihre astronomische Uhr. Eine Führung ist hier durchaus zu empfehlen.

Damit endete der Spaziergang durch die Rostocker Altstadt. Wir hatten viel Spaß bei diesem Trip und irgendwie hatten wir ein bisschen Urlaubsfeeling. Ich bin mit der Kamera immer hinterher getrottet, wie immer im Urlaub und das wirkte dann wie ein Entschleuniger auf die Familie.

Hast du in der Coronazeit auch neue Ecken in deiner Heimat entdeckt oder alte Ecken wiederentdeckt? Kennst du dich in der Geschichte deines Heimat- oder Wohnortes gut aus oder bist du da im Urlaub besser informiert? Schreib mir gern dazu in die Kommentare.

undiversell

Ich freue mich, dass du mich gefunden hast! Schau dich gern um. Ich zeige dir auf meinem Blog Handgemachtes, Hausgemachtes und Meer. Wenn du dich für Häkeln, Stricken, Nähen, Basteln, Nachhaltigkeit und Reisen interessierst, bist du hier genau richtig. Suchst du unkomplizierte Rezepte zu frischer, saisonaler Küche und leckere Kuchen, lass dich inspirieren. Bist du Fan von vegetarischer und veganer Küche? Hier wirst du fündig. Nachmachen ist ausdrücklich erwünscht. Viel Spaß und schöne Momente auf meiner Seite wünscht dir Undine von "undiversell"!

7 Antworten auf „Die Rostocker Altstadt

  1. Ohhhh wie schön, liebe Undine. Wir hatten uns ja schon 2 x vorgenommen, uns Rostock ein bisschen näher anzugucken, 2 x machten uns Starkregen und Gewitter einen Strich durch die Rechnung. Aller guten Dinge sind drei… Ende August sind wir voraussichtlich wieder in der Nähe, vielleicht klappt es dieses Mal. Solange erfreue ich mich an deinen schönen An- und Einblicken und den Hintergrundinformationen.

    Wir sind ja sehr viel bei uns rund um die Haustür unterwegs und erkunden unsere Stadt sehr oft zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Das haben wir auch schon vor der #Corontäne ausgiebig getan und denn haben wir längst noch nicht alles gesehen. Heute starten wir auch in Kürze nach Draußen und wollen eine kleine Runde wandern, bevor womöglich doch die angekündigten Gewitter aufziehen. Allerdings fahren wir ein wenig in Richtung Süden, knappe 30 Kilometer, und sind schon gespannt auf die Entdeckungen dort.

    Herzensgrüße und alles Liebe

    Anni

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Undine, ein sehr schöner Spaziergang. Ich liebe es, genau dies in meiner eigenen Stadt zu tun: ausgedehnte Spaziergänge, am besten mit der Kamera zur Hand und mich wie eine Touristin fühlen. Dresden hat unglaublich viel zu bieten, was ich, je länger ich hier lebe, mehr und mehr zu schätzen weiß. Manchmal kann ich sogar Einheimischen noch das eine oder andere Schmankerl servieren ;-)
    Herzliche Grüße aus dem Elbtal sendet Dir Katja (frau zett)

    Gefällt 1 Person

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